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Medizin und Pflege
am Capio Mathilden-Hospital

Unfallchirurgie und Orthopädie

Operationen im orthopädischen und unfallchirurgischen Bereich

Die orthopädische Chirurgie und Unfallchirurgie beschäftigt sich mit der operativen Behandlung angeborener und erworbener Fehlbildungen und Verletzungen des Bewegungs- und Stützapparates. Der Facharzt für Orthopädie nimmt bei einer genauen Diagnose den Ist-Zustand auf und entscheidet anschließend über die möglichen Therapieformen. Die beiden ursprünglich getrennten Fachrichtungen weisen eine Vielzahl von Überschneidungen auf und wurden deshalb zu einem Fachgebiet zusammen gefasst.

Ein Orthopäde und Unfallchirurg hat ein reguläres Medizinstudium von 12 Semestern erfolgreich abgeschlossen und anschließend eine sechsjährige Facharztausbildung auf dem Gebiet der Orthopädie und der Unfallchirurgie absolviert. Er ist sowohl in der Lage, eine Diagnose zu stellen als auch konservative und operative Behandlungsmethoden zu verantworten und auszuführen.

Ist eine konservative Therapie mit Medikamenten und physiotherapeutischen Maßnahmen nicht möglich, wird der behandelnde Arzt eine Operation in Erwägung ziehen. Ziel ist die Wiederherstellung der ursprünglichen Funktion, eine Korrektur der angeborenen oder erworbenen Fehlhaltung oder eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.

Der Bewegungsapparat des Menschen ist täglich großen Belastungen ausgesetzt und wird ein ganzes Leben lang beansprucht. Fehlbildungen können angeboren, erworben oder durch Verletzungen entstehen. Nach Art der Erkrankung ist es wichtig, die richtige Behandlungsmethode zu finden, die den Erhalt, die Wiedererlangung oder die größtmögliche Annäherung an eine schmerzfreie Bewegung ermöglicht.

Aufgabenbereich der Orthopädischen Chirurgie

Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie diagnostiziert und behandelt sämtliche Veränderungen des Stütz- und Bewegungssystems. Nachsorge und Verordnungen zur Rehabilitation fallen ebenfalls in seinen Aufgabenbereich. Zu seinen Patienten zählen alle Altersgruppen mit ihren jeweils spezifischen Herausforderungen. Er behandelt Verletzungen wie zum Beispiel Sportunfälle, Erkrankungen wie Arthrosen und akute Notfälle wie sie bei Schwerverletzten nach Unfällen auftreten.

Akute Erkrankungen und Verletzungen

Es gibt viele Erkrankungen des Bewegungsapparates, die plötzlich nach einem Sportunfall oder einer abrupten Bewegung auftreten. Dazu zählen Bänder- und Sehnenrisse, Bandscheibenvorfälle, Verstauchungen, der Tennisarm, ein Hexenschuss, Muskelrisse, Schleudertraumata, Brüche der Knochen und Gelenke. Akute Erkrankungen treten plötzlich auf und haben einen Verlauf von absehbarer Zeitdauer. 

Auch chronische Erkrankungen können sich mit plötzlich auftretenden Schmerzen bemerkbar machen und akute Schübe aufweisen. Bei Spitz- und Spreizfüßen ist das zum Teil der Fall oder in der Rheumatologie. Der Arzt wird die momentanen Symptome erfassen, mit der Anamnese die Vorgeschichte aufnehmen, eine angemessene Untersuchung durchführen, die vom Abtasten bis zu bildgebenden Verfahren oder minimalinvasiven Eingriffen reichen kann, und dann eine Diagnose stellen. Dabei wird er auch Maßnahmen ergreifen, die für eine Linderung der Schmerzen sorgen. Während ein Schleudertrauma oder Verstauchungen konservativ, also ohne Operation, behandelt werden können, müssen Muskel-, Bänder- und Sehnenrisse in der Regel operativ behandelt werden. Bei Brüchen kommt es auf die Lage der Knochen und die Art des Bruchs an.

Chronische Beschwerden

Über die Hälfte aller Patienten kommen wegen anhaltender Rückenschmerzen zum Orthopäden. Die Ursachen können vielfältig sein und werden vom Facharzt abgeklärt. Zu den häufigen chronischen Erkrankungen zählen auch Arthrose und Rheuma. Gelenkverschleiß ist eine alterstypische Erkrankung und tritt vor allem bei Knie- und Hüftgelenken auf. Die Knorpelschädigung nimmt mit der Zeit zu und ist mit chronischen Schmerzen verbunden.

Können Medikamente und physikalische Therapie nicht mehr helfen, kann eine Operation sinnvoll sein und nachhaltig Erleichterung verschaffen. Dabei kann entsprechend der individuellen Gegebenheiten gelenkerhaltend operiert werden oder es wird eine Prothese eingesetzt. Der Arzt wird nach Befund entscheiden. Eine allgemeine Handhabung gibt es nicht, da die Schädigungen spezifisch ausgeprägt sind und von vielen verschiedenen Faktoren abhängen.

Minimalinvasiv kann man bei, einer Gelenkerkrankung vorgehen. Die Ursachen sind vielfältig. Der Arzt wird sie prüfen und dann entscheiden, ob er medikamentös oder arthroskopisch vorgeht. Bei dieser Gelenkspiegelung führt der Arzt unter Narkose mehrere kleine Schnitte durch und arbeitet anschließend endoskopisch zum Beispiel mit Spülungen des Gelenks direkt vor Ort.

Behandlungsmethoden

Im orthopädischen Bereich wird mit vielen verschiedenen Behandlungsmethoden gearbeitet. Welche Therapieformen am geeignetsten sind und kombiniert werden, wird der Facharzt nach Befund vorschlagen und in Absprache mit dem Patienten entscheiden. Nicht immer ist eine medikamentöse Behandlung schonender und langfristig sinnvoll. Minimalinvasive Operationsverfahren können schnell Aufschluss über die Situation vor Ort geben und führen mitunter schneller zum Heilungserfolg oder zu einer nachhaltigen Linderung der Schmerzen.

Konservative Behandlungsmethoden

Alle nicht-operativen Therapien werden als konservativ bezeichnet. Dem Orthopäden steht eine breite Auswahl zur Verfügung. Er kann Verfahren kombinieren oder aufeinander aufbauen. Zu den wichtigsten konservativen Behandlungsmethoden zählen:

  • Chirotherapie – mit bestimmten Handgriffen werden Blockaden gelöst, passive Bewegungen und Dehnungen dienen der Mobilisierung
  • Elektrotherapie – Reizstrom wird zur Aktivierung von Nerven- und Muskelpartien genutzt; galvanische Bäder bringen Entspannung und werden unter anderem in der Schmerztherapie angewandt
  • Ergotherapie – hat einen ganzheitlichen Ansatz, kann als Ergänzung zur Krankengymnastik genutzt werden; sie dient der Aktivierung von Bewegungen oder dem Trainieren von Ersatzbewegungen bei Verlust von Gliedmaßen oder Ähnlichem
  • Hydro- und Thermotherapie – Wasseranwendungen unterstützen andere Behandlungsmethoden, können schmerzlindernd und aktivierend wirken; bei der Thermotherapie werden Kälte und Wärme genutzt, um Entspannung zu erzielen oder Reize auszulösen, die die Bewegung unterstützen
  • Krankengymnastik oder Physiotherapie – aktive und passive Übungen sollen helfen, die Bewegungsfähigkeit wieder zu erlangen oder weiteren Funktionseinschränkungen vorzubeugen
  • Massagen – entspannen, entkrampfen, lösen Blockaden und regen die Durchblutung an
  • Medikamente – werden entsprechend der Diagnose verordnet; im Bereich der Orthopädischen Chirurgie sind es vor allem Mittel zur Linderung von Schmerzen, Bekämpfung von Infektionen und Entzündungen, Mittel der Chemotherapie zur Behandlung von Tumoren; viele werden in Tablettenform verabreicht, Mittel zur Beeinflussung des Knorpelstoffwechsels und zur Thromboseprophylaxe werden injiziert
  • Ruhigstellung und Entlastung durch Orthesen, Verbände, Schienen und andere Hilfsmittel – halten das zu schonende Körperteil in einer bestimmten Position und entlasten es damit oder korrigieren die Haltung der Gelenke wie bei einem Korsett, das zur Aufrichtung der Wirbelsäule getragen wird.
  • Stoßwellenbehandlung – hierbei wird durch einen gepulten Ultraschall eine Welle in das Gewebe geschickt, ähnlich der Zertrümmerung von Nierensteinen. Hierdurch kommen komplexe biochemische Prozesse in Gang, welche zur Reduktion der Entzündung und zum Abheilen führen. Beispielhaft für einen erfolgreiche Einsatz dieser Methode seien hier der Tennisellenbogen und der Fersensporn genannt.

Operative Behandlungsmethoden

Bei Muskel-, Sehnen- und Bänderrissen, massiven Schädigungen von Gelenken oder der Hüfte, Brüchen oder Infektionen kann eine Operation die richtige Entscheidung sein, um eine Korrektur, eine Behebung des Schadens, eine Linderung der Schmerzen, einen teilweisen Erhalt der Funktionsfähigkeit zu erzielen oder das Leben selbst zu erhalten. Die Orthopädische Chirurgie kennt minimalinvasive und konventionelle Operationen. Der Chirurg entscheidet nach Situation und Konstitution. Eingriffe an Schulter, Oberarm, Ellbogen, Hand und Unterarm oder Becken, Hüft- und Kniegelenk, Ober- und Unterschenkel, Sprunggelenk, Nerven, Gefäßen, Weichteilen und Knochen sind dem Orthopäden geläufig. Er kann Implantate einsetzen und entnehmen und er ist in der Unfallchirurgie ausgebildet.

Welche Operationsmethoden gibt es?

Zu den häufigsten Eingriffen insgesamt zählen orthopädische Operationen. Dazu gehören:

  • OPs an der Lendenwirbelsäule, am Kreuz- und Steißbein
  • Einrichten von Brüchen im Schaft- und Gelenkbereich der Knochen und fixierung mit Hilfe von Drähten, Schrauben und Platten als Osteosynthese sowie die spätere Entfernung des Osteosynthesematerials in offenen Operationen
  • arthroskopische Operationen an den Menisken oder an Gelenkknorpeln
  • Implantationen von Endoprothesen an Schulter- Knie-  und Hüftgelenken
  • arthroskopische Operationen an der Gelenkinnenhaut
  • arthroskopische Operationen und Wiederherstellungen an den Kapselbändern des Schultergelenks
  • Ersatz eines gerissenen Kreuzbandes im Kniegelenk


Die Ursachen liegen in der Beanspruchung und Gefährdung des Bewegungs- und Stützapparates. Viele Operationen können heute minimalinvasiv durchgeführt werden. Dabei wird eine Anzahl von kleinen Schnitten abhängig von der Diagnose gesetzt, dann kann mithilfe eines Endoskops operiert werden.

Der Vorteil dieser endoskopischen Operationen, zu denen auch die Arthroskopie, die Gelenkspiegelung, zählt, liegt in der schonenderen Behandlungsweise und der geringeren Narbenbildung. Teilweise können diese Operationen ambulant und mit lokaler Betäubung ausgeführt werden. Damit verringern sich die Belastungen und Gefährdungen durch eine Vollnarkose. In der Regel verläuft die Rekonvaleszenz verkürzt – der Patient kann schneller mit den Rehabilitationsmaßnahmen beginnen und ist schneller fit. Der Abbau von Muskelmasse sowie die Gefahr des Versteifens minimieren sich. Arthroskopien werden auch zur Feindiagnostik genutzt. Zum Teil kann die Beseitigung des Schadens im gleichen Eingriff erfolgen.

In der Endoprothetik wünschen sich viele Patienten minimalinvasive Eingriffe. Der Orthopäde muss individuell entscheiden, ob eine offene oder eine minimalinvasive Operation sinnvoll ist. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die von der Konstitution des Patienten über das Knochenmaterial bis zur Art der einzusetzenden Prothese reichen. Nicht für jeden Patienten ist eine minimalinvasive Hüft-Operation geeignet. Bei einer offenen Operation ist das OP-Feld wesentlich größer und übersichtlicher.

Anästhesie & Co

Zu jeder Narkoseform erfolgt vor der Operation eine vollständige Aufklärung und Beratung. Über die Ziele, Risiken und möglichen Nebenwirkungen klärt der Operateur genau auf. Sämtliche Fragen können und sollten im Vorfeld gestellt werden.

Besonders wichtig ist die Anamnese, die Vorgeschichte des Patienten. Dabei geht es nicht nur um die zu behandelnde Krankheit, sondern auch um Vorerkrankungen, Allergien und Besonderheiten. Wichtig sind vor allem Medikamente, die permanent, in den vergangenen Monaten und vor Kurzem genommen wurden. Das betrifft vor allem auch Schmerzmittel. Werden sie nicht erwähnt oder vergessen, kann es zu lebensgefährlichen Herausforderungen während der Operation kommen. Sinnvoll können unter Umständen Rückfragen beim behandelnden Hausarzt oder dem Pflegedienst sein.

Viele Operationen können mit lokaler Betäubung durchgeführt werden. Die orthopädische Chirurgie bietet ein breites Anwendungsfeld für regionale Anästhesie. Nicht jede Operation ist unter Lokalanästhesie durchführbar. Selbst bei einer Arthroskopie kann eine Vollnarkose angezeigt sein. Der Arzt klärt ab, ob eine Vollnarkose oder eine regionale Betäubung sinnvoll ist.

Bei einer lokalen Anästhesie wird zusätzlich ein gerinnungshemmendes Medikament injiziert, damit die Operation erfolgreich durchgeführt werden kann. Eine Spinalanästhesie erfolgt bei einer gewünschten Betäubung der Beine, der Beckenregion und des Ober- und Unterbauchs. Das Betäubungsmittel wird in den Bereich der Wirbelsäule gespritzt oder über einen Periduralkatheter während der Operation zugeführt. Bei einem OP-Verfahren von maximal 1 Stunde, kann eine Spinalanästhesie angebracht sein. Bei längeren Operationen ist das PDA-Verfahren über den Periduralkatheter sinnvoller. Außerdem ist so nach der OP weiterhin eine genau dosierte Schmerzstillung möglich.

Selbst bei ambulanten Operationen kann eine Vollnarkose sicherer und insgesamt schonender sein. Manche OP-Verfahren sind nur blutleer möglich. Dazu wird eine Manschette wie beim Messen des Blutdrucks angelegt. Die Extremität wird davor kontrolliert blutleer gewickelt. Der dabei entstehende Druck ist sehr hoch, wäre extrem schmerzhaft und könnte mit lokaler Betäubung nicht völlig erfasst werden. Außerdem bestände die Gefahr, unwillkürlicher Bewegungen. Dadurch kann die Arbeit des Operateurs so beeinträchtigt werden, dass dauerhafte Schädigungen möglich sind.

Wie geht es weiter? Prognose und Nachsorge

Eine allgemeingültige Prognose für alle operativ zu behandelnden orthopädischen Erkrankungen und Schädigungen lässt sich nicht stellen. Dazu sind Krankheitsbilder und individuelle Voraussetzungen wie Alter, Geschlecht und Konstitution viel zu unterschiedlich.

Jede Operation stellt eine Herausforderung dar und ist mit physischen und psychischen Belastungen verbunden. Der Facharzt wird die Situation ganzheitlich beurteilen und einen entsprechenden Behandlungsplan unter Berücksichtigung aller bekannten individuellen Faktoren aufstellen.

Bereits bei der Vorbereitung auf die OP wird die Nachsorge eine Rolle spielen. Der Arzt geht dabei von Kenntnissen, Erfahrungswerten und der konkreten Diagnose aus. Die Nachsorge und den Behandlungsplan wird er den Ergebnissen der Operation und dem Gesamtzustand des Patienten anpassen.

Nach einer Hüft-OP muss man mit einer Genesungszeit von 8 bis 12 Wochen rechnen. Dabei kommt es auf den Hüftschaden im konkreten Fall an, auf Alter und Konstitution des Patienten sowie die Qualität der Reha.

Bei einer Meniskus-OP rechnet man mit etwa 6 bis 8 Wochen bis zur vollständigen Wiederherstellung, wenn keine Komplikationen auftreten und der schrittweise Leistungsaufbau gelingt.

Bei einem Armbruch geht man von etwa 6 bis 12 Wochen aus, bis er wieder belastbar ist.

Generell ist davor zu warnen, den Körper nach einer Operation zu schnell wieder zu belasten. Physiotherapie, Krankengymnastik und alle weiteren Behandlungsformen sollten eingehalten werden, damit weder eine Unter- noch eine Überforderung eintritt.

Wird der Behandlungsplan nicht eingehalten, kann es zu Muskelabbau oder Versteifungen kommen, die die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen oder sogar den OP-Erfolg ernsthaft gefährden.

Man sollte den behandelnden Facharzt bei allen Herausforderungen konsultieren und über Schmerzen oder andere Beschwerden unterrichten. Diese Hinweise können die Modifizierung des Behandlungsplans unterstützen und zu einer nachhaltigen Heilung führen.

Dr. med. Florian Stockhausen Chefarzt Chirurgie
Ärztliche Leitung

Dr. med. Florian Stockhausen
Chefarzt der Chirurgie, Facharzt für Allgemeinchirurgie, Viszeralchirurgie und spezielle Viszeralchirurgie


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