Projekt Demenzsensibles Krankenhaus

Der demografische Wandel spiegelt sich in der Patientenstruktur der Krankenhäuser wieder. Waren im Jahr 2000  18 Prozent der Patienten über 75 Jahre alt, so waren es 2012 schon 25 Prozent.  Das Risiko an Demenz zu erkranken verdoppelt sich ab dem 65. Lebensjahr alle 5 Jahre. Schätzungen gehen von einer Häufigkeit der Begleitdiagnose Demenz im Krankenhaus von 10-30 Prozent aus, mit steigender Tendenz. Neuste Studien belegen, dass 40 % aller über 65-jährigen Patienten, welche im Krankenhaus behandelt werden müssen, eine Demenz als Begleitdiagnose haben.  Patienten mit hohem Lebensalter und einer dementiellen Erkrankung unterliegen zahlreichen Risiken. So ist der Allgemeinzustand häufig eingeschränkt, das Risiko postoperativ delirant zu reagieren ist erhöht, Komplikationen nach Untersuchungen, Medikamenten und Eingriffen treten häufiger auf und die Sturzgefahr ist hoch. Ein Krankenhausaufenthalt, mit neuer Umgebung, verändertem Tagesablauf und unbekannten Personen stellt eine enorme Herausfoderung dar. Angehörige berichten, dass es im Rahmen einer Krankenhausbehandlung zu einem regelrechten Einbruch der Fähigkeiten kam. Unser Projekt setzt genau hier an!

Ausgangssituation:

In Krankenhäusern ist der Behandlungsalltag meist auf Patienten mit voller Orientierung ausgelegt. Kognitive Defizite sind in den meisten Fällen bei der Aufnahme in ein Krankenhaus gar nicht bekannt und es existieren nur wenige systematischen Behandlungs- und Betreuungskonzepte in den Kliniken.

Für Patienten mit der Begleitdiagnose Demenz kann ein Krankenhausaufenthalt vielfältige Herausforderungen bedeuten:

  • Die Vorbereitungszeit von Eingriffen und Untersuchungen steigt an, weil Patienten nicht verstehen oder nicht einwilligen können.

  • Therapieransätze können vom Patienten nicht nachvollzogen werden oder der Patient ist nur eingeschränkt kooperativ.

  • Der Patient kann Gefahren nicht gut abschätzen und den Behandlungserfolgt nicht aktiv unterstützen.

  • Der Patient ist besorgt oder ängstlich, weil er sich nicht orientieren kann.

  • Der Patient reagiert aggressiv und abweisend.

  • Der Patient irritiert seine Umwelt mit seinen Verhaltensweisen.

  • Es besteht ein hoher Abstimmungsbedarf mit Angehörigen oder Betreuern.

  • Es benötigt viel Zeit Vertrauen zu den Patienten herzustellen.

Die Auswirkungen bestehen darin, dass sich die Klinikaufenthalte stark verlängern und hierdurch Risiken entstehen!

Ein Mensch mit einer Orientierungsstörung ist am Besten in seiner gewohnten Umgebung aufgehoben.

Mit dem Projekt "Demenzsensibles Krankenhaus" möchten wir ein bestmögliche Versorgung von Patienten erreichen, welche von einer Demenz betroffen sind!

Zielsetzung: Wir sind Demenzsensibel!

Mit dem Projekt ist die Zielsetzung verbunden, eine adäquate, an die besonderen Bedürfnisse von Patienten mit der Begleitdiagnose Demenz orientierte, stationäre Behandlung anzubieten.

Wir möchten erreichen, dass die Risiken, denen die Patienten ausgesetzt sind minimiert werden, Komplikationen vermieden werden und Wohlbefinden und Lebensqualität auch in einen fremden Umfeld ermöglicht werden.

Wir, das Capio Mathilden-Hospital, möchten für diese Kompetenz stehen und so ganz aktiv auf diese Herausforderung reagieren. 

Wir beteiligen uns damit an der Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend "Gemeinsam für Menschen mit Demenz".

Eindrücke unserer Schwerpunktstation

Patientenbetreuung durch Alltagsbegleiter
spezielle Patientenzimmer
spezielle Speiseversorgung
wir möchten den Patienten verstehen

Diese Maßnahmen führen wir speziell durch:

Fürsorge im Detail!

Viele kleine Details, auf die wir wert legen, tragen dazu bei, unsere Patienten in ihren Fähigkeiten zu stützen, ihnen das Gefühl

von Wohlbefinden und Sicherheit zu geben, so dass ihre Genesung optimal gefördert wird und Krankenhausaufenthalte so kurz

wie möglich sind.

Einige Beispiele:

  • Wir haben speziell ausgebildetes Personal im Einsatz.
  • Wir haben speziell eingerichtete Patientenzimmer mit Orientierungshilfen.
  • Wir erfassen Hinweise bei Demenz bereits bei der Aufnahme.
  • Wir haben unauffällige, aber wirksame Weglaufsicherungen.
  • Alle Mitarbeiter sind im Umgang mit Demenzerkrankten geschult.
  • Wir haben Mobiliar aus vergangener Zeit in unsere Aufenthaltsbereiche integriert.
  • Wir beraten Patienten und Angehörige vor, während und nach der Behandlung.
  • Wir setzen ein spezielles Schmerzkonzept ein.
  • Wir setzen zusätzliches Betreuungspersonal ein.
  • Wir setzen spezielle Speiseversorgungskonzepte um (spezielles Geschirr, Fingerfood)
  • Wir ermöglichen die kostenlose Aufnahme einer Begleitperson.
  • Wir beziehen individuelle, biografische Informationen ein.

 

 

Zusammenfassung:

Wir werden in der Zukunft mit einem erhöhten Patientenaufkommen mit der Begleitdiagnose Demenz konfrontiert sein. Die Auseinandersetzung mit Konzepten zur stationären Versorgung ist also zwingend erforderlich. Aktuell ist die Diskussion zu dem Thema am Anfang und findet große Beachtung. Bislang existieren in Deutschland im Bereich der Akutkrankenhäuser nur wenige Angebote. Diese Lücke schließen wir mit diesem Projekt.

 

Eine Broschüre zum Thema finden Sie hier.

Demenzbeauftragte

Charlotte Tefarikis
Demenzbeauftragte

 

 

Presseinterview zum Thema

lesen Sie bitte hier

Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.

Weiterführende Informationen

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